Gebisslose Trense

Vor einigen Jahren war sie DER Hype in der Reiterszene, und selbst heute nutzen viele Pferdefreunde noch die gebisslose Trense bzw. Zäumung. Vor allem im Western- und Freizeitsport treffen Sie vermehrt auf trensenlose Pferde.
 
Wie in so vielen anderen Angelegenheiten auch, spalten sich die Meinungen; Vor- und Nachteile werden abgewogen und auf das Preis- und Qualitätsverhältnis Wert gelegt.

Gebisslose Trense kaufen

Die Wahrheit hinter der gebisslosen Trense

Der Ausdruck der gebisslosen Trense ist in seiner Formulierung eigentlich nicht ganz richtig, denn: „das Gebiss“ ist ein Synonym für den Fachausdruck „Trense“. Letztendlich meinen also beide Begriffe dasselbe, nämlich das eiserne Gestänge, das Ihr Pferd während des Reitens im Maul hat.

Gemeint ist mit dem Begriff im Grunde das Reiten mit einem klassischen Zaumzeug, allerdings ohne Trense; Ihr Pferd hat also keine Eisenstange zwischen den Zähnen. Stirn-, Backen-, Hals-, Kehl-, Kinn- und Nasenriemen des Zaumzeugs sind jedoch meist wie gewohnt vorhanden. (Die einzige Ausnahme: der Halsring)

Reiten ohne Gebiss - die Möglichkeiten

 
So vielfältig die Auswahl eines klassischen Zaumzeugs ist, ist sie es auch wenn es um gebissloses Reiten geht. Ihre Möglichkeiten hängen immer von der jeweiligen Reitdisziplin ab, in erster Linie jedoch von Ihrem Pferd selbst. Immerhin ist es auch für Ihr Pferd eine Umstellung, beim Reiten plötzlich keinen Widerstand mehr im Maul zu verspüren.
 
Die wohl bekannteste Variante des gebisslosen Reitens ist die Hackamore. Diese besteht aus mindestens drei Teilen: Bosal (das geflochtene, rohhäutige Nasenstück), Hanger (das Kopfteil) und Mecate (der Zügel, der für gewöhnlich aus Rosshaar besteht).
 
Auch mittels einfachen Halsring oder eines Halsseils können Sie gebisslos reiten. Es handelt sich hier allerdings nicht um das gewöhnliche Konstrukt eines Zaumzeugs, da es keinerlei Riemen enthält, die an den Kopf angepasst sind, geschweige denn dort getragen werden. Sie lenken Ihr Pferd bei dieser Art fast ausschließlich über Ihr eigenes Körpergewicht und die Beine. Nur eine minimale Signalgebung erfolgt über das gehärtete Seil oder den Ring.
 
Der Kappzaum ist eine weitere Methode; bei schweren Modellen müssen Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass das Backenstück nicht an der Jochbeinleiste Ihres Pferdes anliegt, und dass der Riemen nicht zu nah ans Auge Ihres Pferdes kommt, da sonst hohe Scheuergefahr besteht.
 
Zu diesen Varianten kommen noch einige andere, wie beispielsweise das Knotenhalfter, die mechanische Hackamore, ein kolumbianisches Bosal, verschiedene Räderzäume, das klassische Stallhalfter und Überkreuzzäumungen hinzu. Die gebisslose Trense ist also ein umgangssprachlicher Überbegriff.
 

Die Meinungen - pro und contra Trensenfreiheit

 
Der größte Vorteil der gebisslosen Trense ergibt sich daraus, dass das empfindliche Pferdemaul und die Zähne nicht so sehr durch zu grobe Reiterhände verletzt werden können. Außerdem schult diese Methode Ihre Hände im sanfteren Umgang mit Ihrem Pferd, denn (und dies kann auch als Nachteil genannt werden) da kein Gebiss vorhanden ist, wird die ausgeübte Belastung auf dem Nasenstück verteilt.
 
Die exakte Passform ist deshalb so wichtig, da es im schlimmsten Fall dazu kommen kann, dass Sie Ihrem Pferd die Luft abschnüren. Außerdem haben Sie in Gefahrensituationen nur herabgesetzte Kontrollmöglichkeiten. Auch auf das Genick wird vermehrt Druck ausgeübt.
 
Eignungen hat das trensenlose Reiten jedoch mehrere: Beispielsweise das schonende Anreiten eines Jungtieres, Korrekturarbeiten fehlerhafter Kopfhaltungen und die Verbesserung des Einsatzes Ihres eigenen Körpergewichts beim Reiten.
 
Pferd

Wer sich an die gebisslose Trense wagen sollte

 
Ein Knotenhalfter kann man natürlich auch selber machen, dazu gibt es viele Anleitungen, welches Seil man verwenden soll und wie man es am besten knüpft.
 
Dabei sollte man aber einiges beachten. Man soll sich nur ein Seil dazu aussuchen, was auch wirklich dafür gemacht ist, und nicht einfach zu irgendeinem Seil greifen. Die Anleitungen müssen streng befolgt und genau durchgelesen werden. Dabei müssen auch die Abstände der Knoten richtig abgemessen werden.
 
Wenn man also alles nach Angaben befolgt, sollte es kein Problem sein, sich ein Knotenhalfter selbst zu basteln und/oder eins zu nutzen. Allerdings sind die Halfter eh so günstig, dass sich der Aufwand kaum lohnt.
 

Achtung, gebisslos

 

Zu kraftvolle Hände sind ebenso zu vermeiden, wie ruckartiges Zügelziehen. Außerdem spielt die Passform der gebisslosen Trense eine enorm wichtige Rolle, da die Zaumzeuge Scheuerstellen verursachen können, wenn sie falsch sitzen.
 
Bedenken Sie, dass bei der Umstellung auch das Pferd ein wenig in Verwirrung kommen kann und haben Sie ein wenig Geduld, falls das Tier nicht sofort wie gewohnt auf alte, angelernte Hilfen reagiert.
 

Was Sie sich vor dem Kauf der gebisslosen Trense idealerweise fragen

 
Ist es für meine Disziplin und für mein Pferd eher vor- oder nachteilig, auf gebisslose Zäumung umzusteigen?
 
Wie könnte Ihr Pferd auf die Umstellung reagieren und wie können Sie sich darauf vorbereiten, oder unerwünschtem Verhalten entgegenwirken?
 

Was bedeutet die Umstellung für Ihr eigenes Reitverhalten, was müssen Sie an sich selbst ändern?

Sind Korrekturen am Pferd vorzunehmen, bei denen gebisslose Zäumungen vorteilhaft sind?